Zu Gast bei den ASIA BUSINESS INSIGHTS 2017

Veröffentlicht von am 8. Feb 2017 in der Kategorie Allgemein
Zu Gast bei den ASIA BUSINESS INSIGHTS 2017

Am 07.02.2017 hatte das Handelsblatt ausgewählte Partner und Gäste zur Veranstaltung ASIA BUSINESS INSIGHTS nach Düsseldorf eingeladen. Die Referenten aus deutscher, chinesischer und indischer Wirtschaft sowie Politik schilderten Ihre Prognosen und Erwartungen der Marktentwicklungen für die kommenden zwei Jahre.

Insbesondere die Frage, „ob Indien das neue China“ sei, als auch die Frage, „welche Auswirkungen die angekündigte amerikanische Außenpolitik auf bilaterale Beziehungen zwischen Europa und Asien“ hätte, wurden von jedem Keynote-Speaker aufgegriffen und kommentiert. Repräsentanten der Unternehmen Hansgrohe und Sennheiser berichteten über Ihre „Lessons Learned“ in China und Indien.

Frederic Neumann, Chef-Analyst der HSBC, erklärte, dass das gestiegenen Exportvolumen Chinas ein Maximum erreicht habe und nun eine Phase der Konsolidierung eintrete. China werde sich zunehmend auf den eigenen Binnenmarkt konzentrieren müssen, dessen volles Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft sei. Stichwort: regional economy. Diese neue Realität sei noch nicht ganz in den Köpfen der Chinesen angekommen. In den europäischen Köpfen jedoch auch noch nicht…

Über Krisen und Rezession sei momentan aber nicht nachzudenken, denn nach wie vor bestünden enorme Markteintrittschancen für deutsche Unternehmen, da die chinesische Regierung weiterhin den Ausbau der Infrastruktur in TIER 2 und TIER 3-Städten vorantreiben müsse. Als Beispiel wurden chinesische Städte genannt, die eine Population von 12 Millionen Menschen haben, jedoch über kein ausgebauten U-Bahn-System u.ä. verfügten. Hier gäbe es also ein riesen Nachholbedarf, der in den kommenden Jahren noch nicht erschöpft sein würde.

Darüber hinaus sei Chinas Kaufkraft nicht zu unterschätzen. Zwar hat der Staatshaushalt immense Schulden aufgebaut. Der private Sektor sei aber überwiegend „schuldenfrei“, weshalb diverse private Unternehmen seit den letzten Jahren auf enormer Einkaufstour in Europa seien. Der Fokus auf die Übernahme Deutscher Unternehmen sei allerdings eindeutig.

Vieldiskutierte Frage des Tages: „Hat die Wahl des US-Präsidenten Trump eine große Veränderung eingeleitet?“
Die Ökonomen waren sich am 07.02. alle einig: „Trump enforced a movement that was already on the go“. Trump wird in Wirtschaftskreisen eher als „Brandbeschleuniger“ gesehen, statt als der “entzündende Feuerfunke”.

Diese Entwicklung biete aber nun wesentliche Chancen für die Beziehung von Europa und China, um ungeklärte Fragen im Binnenverhältnis zu klären, um mit vereinter Kraft am gleichen Strang zu ziehen und damit auch ein Stück unabhängiger vom US-Markt zu werden. Stichworte: KUKA, Handelsabkommen, Seidenstraße, Menschenrechte, etc. Jetzt sei die Zeit reif, aber auch der Zeitdruck da, zu handeln. Beiderseits.

Eine weitere Frage war: wo steht eigentlich Indien in diesem geopolitischen Zusammenhang?
Der indische Botschafter Gurijt Singh fand dafür klare Worte: „Our headlines are not dominated by the USA“. Für Indien seien die USA in wirtschaftlicher Hinsicht nicht so wichtig, wie für die EU. Daher solle sich die EU auf die Beziehungspflege mit Indien konzentrieren. Er beschrieb die Hindernisse, die sich ihm als Diplomaten in den Weg stellen, wenn es um die Stärkung der Beziehungen zu Deutschland geht. „In politischen und wirtschaftlichen Gesprächen geben mir die deutschen Ansprechpartner recht und sie wollen auch die diskutieren Maßnahmen unterstützend, verweisen mich dann aber immer an Brüssel… Brüssel, warum? Nein danke. Das kann ich gleich sein lassen, denn es bringt nichts.“

asia_2Joschka Fischer, Bundesaußenminister a. D., griff diesen Punkt am Ende der Veranstaltung auf und appellierte: „Die Macht der EU liegt nicht in Brüssel. Die Macht der EU liegt in den jeweiligen Hauptstädten der Mitgliedsländer. Und wenn diese Hauptstädte nicht miteinander kooperieren und die gemeinsamen Bündnisse für erfolgreiche Maßnahmen und Vereinbarungen nutzten, dann wird es um Europa noch schlechter gestellt sein als jetzt.“ Er ergänzte, dass vor dem Hintergrund der Entwicklungen seit Trump, es keine andere Lösung gäbe, als eine Annäherung von Europa und Asien. Aber auch hier kann noch ungeahntes auf uns zukommen. Die diesjährigen Wahlen in Frankreich und Deutschland werden erheblich über den Erfolg dieser Annäherung entscheiden: „Wenn Le Pen am 07.05. die Wahl in Frankreich gewinnt, dann kommen Dinge auf uns zu, die wir heute noch nicht einmal erahnen können“.

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