Interview: Entscheidungen in der Systemtheorie

Published by on 2. Jan 2017 in category Beratung, Konzepte
Interview: Entscheidungen in der Systemtheorie

In einem Interview wurde Guest Prof. Robert A. Sedlák zum Thema „Die Rolle der Entscheidungen in der Systemtheorie“ befragt. Dieses Interview beleuchtet den wissenschaftlichen Ansatz von Herrn Sedlák und sowie seine erfolgreiche Vorgehensweise, wenn es darum geht nachhaltige Veränderungen in Organisationen zu ermöglichen.

 

Interviewer:

Welche Rolle kommt dem Thema „Entscheidungen“ in der Systemtheorie zu?

Guest Professor Robert A. Sedlák:

Systemtheoretisch gehen wir davon aus, dass Organisationen keine dingliche Sache sind, sondern komplexe Sozialsysteme, welche durch Kommunikation entstehen und am Leben erhalten werden. Kommunikation ist in diesem Sinne ein Ereignis, welches stattfindet und dann wieder aufhört. Ohne Anschlusskommunikation würde ein Sozialsystem aufhören zu existieren. Nun gehen wir davon aus, dass die Entscheidung das wichtigste kommunikative Ereignis einer Organisation ist.

Wann sind Entscheidungen notwendig?

Wenn Wissen und Nichtwissen als Differenz im Raum stehen. Zu entscheiden gibt es nur etwas, wenn es unterschiedliche Alternativen gibt. Mit einer Entscheidung entscheide ich mich für eine vermutete Zukunft. Wir tun dabei so, als ob die Zukunft sicher wäre. Nach der Entscheidung kann es weiter gehen, bis es wieder etwas zu entscheiden gibt.

Warum hat die Systemtheorie einen eher kritischen Blick auf die Überzeugung: „Wenn die GF einmal entschieden hat, dann müsste doch alles laufen.“?

Nach jeder Entscheidung müssen Folgeentscheidungen getroffen werden. Nur wenn Folgeentscheidungen im Sinne der Erstentscheidung getroffen werden, kann man von einer wirksamen Entscheidung sprechen. Nun wissen wir, dass viele Folgeentscheidungen in Organisationen nicht im Sinne der Managemententscheidungen getroffen werden – und damit die eigentliche Intention nicht verfolgt wird. Das stellt das Management vor eine besondere Herausforderung.

Macht es aus systemtheoretischer Sicht einen Unterschied, ob Entscheidungen von einzelnen (Führungskräften) oder von Teams gefällt werden?

Zunächst kommt es darauf an, dass Folgeentscheidungen im Sinne der Managemententscheidung ausfallen – nur dann würden wir ja systemtheoretisch von einer Entscheidung sprechen. Die heutige Komplexität von Sachverhalten überfordert oftmals Einzelpersonen. Aus diesem Grund sind Führungskräfte sehr gut beraten, Schlüsselspieler und Experten am Prozess der Meinungsbildung zu beteiligen, um dann zu klugen Entscheidungen zukommen.

Warum handeln Organisationen häufig genau entgegensetzt zu der eigentlich vereinbarten Entscheidung?

Wenn Entscheidungen nicht verstanden werden, kommt es oftmals zu Folgeentscheidungen, die in eine andere Richtung laufen können. Dann darf man auch die Systemintelligenz nicht unterschätzen. Außerdem wird jeder Entscheidung ein Sinn zugeordnet – macht das Sinn oder das ist doch Un-Sinn. Und dann ist es passiert…

Darüber hinaus möchte ich daran erinnern, dass Organisationen selbstorganisierende Systeme sind. Das hat was mit Eigensinnigkeit und Unberechenbarkeit zu tun. Manager sind gut beraten, diese Eigenlogik von Organisationen bei Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen und die damit verbundenen Auswirkungen gut zu beobachten.

Welche Rolle müssen Geschäftsführung und Führungskräfte aus Sicht der Systemtheorie zum Thema Entscheidungen übernehmen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass jede Führungskraft ein Teil des Systems ist und jeder Steuerungsimpuls auch auf das Management selbst wirkt. Organisationen steuern mit, wie das Management steuert und umgekehrt. Das bedeutet, dass die Art und Weise, wie Entscheidungsprozesse gestaltet werden, maßgeblich auf die Qualität der Entscheidung Einfluss nimmt und natürlich auf die Prozesse der Folgeentscheidungen und damit auch auf die Qualität der Entscheidungen, die dann erzielt wird. Damit werden von Führungskräften Möglichkeiten geschaffen bzw. verhindert.

Lässt sich in einem so komplexen Gebilde, wie es Organisationen nun mal sind, überhaupt etwas entscheiden, was später einen Unterschied für die Organisation darstellt?

Davon können wir ausgehen. Wenn ein Management entscheidet, eine Betriebstätte zu schließen, dann macht das ja einen Unterschied zu heute. Wie schon ausgeführt: Entscheiden kann man viel. Die Frage ist, ob die Schließung der Betriebsstätte dann auch stattfindet. In meiner Beraterpraxis habe ich schon oft beobachtet, dass ein Management mit einem Tiger gestartet ist und dann mit einem Bettvorläufer geendet hat. Das ist dann ein Indiz dafür, dass der Entscheidungsfindungsprozess nicht gut gelaufen ist.

Welche Empfehlungen gibt die Systemtheorie, damit in einer Organisation kluge Entscheidungen getroffen werden können?

Wir sprechen von Entscheidungsprämissen, die implizit bzw. explizit in Organisationen vorhanden sind und auf die das Management Einfluss nehmen kann. Hierzu zählen wir Kommunikationsstrukturen, Programme (wenn…dann oder um…zu) und Personen. Hiermit werden Folgeentscheidungen determiniert. Führungskräfte sind gut beraten, sich diese Entscheidungsprämissen anzuschauen und zu prüfen, ob diese noch adäquat sind (Beobachtung 2. Ordnung). Außerdem spielen der Prozess und die Plattformen, wie und wo Entscheidungen getroffen werden, eine bedeutende Rolle. Und dann sollten Führungskräfte selbstreflektiv auf sich schauen, welchen Entscheidungstypen sie repräsentieren. Wir sind gut beraten die neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung ernst zu nehmen und bei Entscheidungen sowohl den Verstand als auch das emotionale Erfahrungsgedächtnis in Balance zu nutzen.

Hat Ihnen das Interview gefallen?

Weitere Informationen zu diesem Thema hier kostenlos anfordern:

Ihr Name (Pflichtfeld)

Unternehmen

Position

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Telefonnummer (Pflichtfeld)

Betreff

Ja, ich möchte weitere kostenlose Informationen.
Ja, ich möchte einen Online-Dialog vereinbaren.
Bitte rufen Sie mich an.

Ihre Nachricht